Jinju Gergs - Illustration trifft IT - I’m Every (Business) Woman

Jinju Gergs liebt IT und Illustratorin - und kombiniert ihre Talente in verschiedenen Unternehmen

Jinju Gergs ist ein echtes Multitalent: Seit fünf Jahren ist sie als Product Owner in der IT-Branche tätig. Ihre Leidenschaft ist es, digitale Produkte zu entwickeln, welche den Nutzer:innen nachhaltigen Mehrwert bringen. Vor kurzem war sie an der Entwicklung einer mobilen App für Kundenkarten beteiligt, die jetzt in allen App-Stores erhältlich ist.

Neben ihrer Arbeit in der IT-Branche ist Jinju eine freiberufliche Illustratorin, die farbenfrohe und körperbewusste Kunst mit Frauenmotiven kreiert. Ihre Kreativität brachte sie dazu, 2020 ihr eigenes Unternehmen junimo zu gründen. junimo ist ein Online-Shop, der personalisierte Produkte wie Porträtillustrationen und maßgeschneiderte Tragetaschen anbietet. Mit ihren vielfältigen Talenten und ihrem Unternehmergeist ist Jinju eine Frau, die es liebt branchenübergreifende Grenzen zu überschreiten und ihren eigenen kreativen Weg zu gehen.

Wie und wann hast Du Dein Unternehmen gegründet? Wie sah Dein Weg dahin aus?

So einen richtigen Gründungstag gab es bei mir nicht. Es war eher ein schleichender Prozess und gefühlt von heute auf morgen gehörte ich der Female Founder Community an. Natürlich steckte dahinter eigentlich super viel Arbeit, aber mir war erstmal gar nicht richtig bewusst wohin das alles führen wird.

Begonnen hat alles mit dem ersten Lockdown in 2020. Aus meiner 60h Woche in busy Berlin wurde plötzlich eine gemütliche 35h Woche im Home Office. Für mich war direkt klar: Das reicht mir nicht! Eines Morgens beschloss ich ganz spontan mir eine Stickmaschine zu besorgen, um Jutebeutel zu besticken. Einfach so und aus Langeweile.. Ein kurzer Blick auf ebay Kleinanzeigen und am nächsten Tag hatte ich schon eine gebrauchte Maschine erworben und die ersten Beutel bestickt. Erst war das alles nur eine Beschäftigungstherapie während der Pandemie, aber dann dachte ich mir, why not go for more??? Ich beschloss einen etsy Shop zu eröffnen und meine Jutebeutel als personalisiertes Produkt anzubieten. Das war im August 2020. Seither habe ich mein Sortiment erweitert und über 6000 Produkte verkauft.

Das alles passierte neben meiner eigentlichen Arbeit. Ich bin leidenschaftliche Produkt Managerin und arbeite seit 5 Jahren in der Start-Up Branche. Der Tätigkeit den Rücken zu kehren, stand für mich erstmal nicht in Frage, da ich unglaublich gerne in dem Beruf arbeite. Aber Anstellung, freiberufliche Nebentätigkeit als Illustratorin und zusätzlich noch einen immer weiter wachsenden Online Shop zu führen, war auch nicht mehr möglich. Also beschloss ich Ende 2021 meine Festanstellung zu kündigen und mich selbstständig zu machen. Und es war die beste Entscheidung meines Lebens, denn so war es mir möglich all meine Projekte weiter voran zu schieben.

Welche Herausforderungen siehst Du für Frauen*, die den Schritt in die Selbstständigkeit und/oder Unternehmensgründung wagen wollen?

Grundsätzlich hat Mensch, egal welchem Geschlecht er:sie sich zuordnet, erst einmal die selben Herausforderungen. Es gibt viele Fragezeichen zu klären und etliche Entscheidungen zu treffen.. Mache ich mich vollständig selbstständig oder erst einmal nur in Teilzeit? Wieviel Kapital brauche ich? Muss ich einen Business Plan schreiben? Welche Förderungen stehen mir zu? Nehme ich Fremdinvestment auf? Welche Rechtsform passt zu meinem Vorhaben?

Und neben all dem kommen noch die anderen sehr individuellen Fragen hinzu.. Schaffe ich das? Was, wenn nicht? Bin ich bereit meinen Lebensstandard herunterzusetzen, um mögliche finanzielle Engpässe zu überwinden? Und dann kommt auch die große Frage, ob Familienplanung mit der Selbstständigkeit vereinbar ist. Und ich denke, dass hier vor allem wir Frauen eine große Herausforderung sehen. Und das zu Recht! Einen gesetzlichen Mutterschutz gibt es nicht. Eine Elternzeit kann sich auch nicht jede Selbstständige leisten. Wie lange kann ich mir überhaupt eine Auszeit “gönnen”? Ist ein Stillen am Arbeitsplatz überhaupt möglich? Kann ich mir eine zusätzliche Betreuungsmöglichkeit leisten? Und möchte ich das überhaupt? Das sind alles Themen, die, falls man einen Kinderwunsch hat, vorher überdacht und ggf. mit dem:der Partner:in besprochen werden sollte.


Und dann kommt auch die große Frage, ob Familienplanung mit der Selbstständigkeit vereinbar ist. Und ich denke, dass hier vor allem wir Frauen eine große Herausforderung sehen. Und das zu Recht! Einen gesetzlichen Mutterschutz gibt es nicht. Eine Elternzeit kann sich auch nicht jede Selbstständige leisten. Wie lange kann ich mir überhaupt eine Auszeit “gönnen”?
— Jinju Gergs

Jinju’s Label junimo gestaltet individuelle Geschenke.

Was ist ein Learning aus Deiner bisherigen Zeit als Unternehmer*in, das Dich überrascht hat?

Wie sagt man so schön: Sharing is caring. Nur leider wird eben genau das in der Business Welt nicht so gerne gelebt. Dabei könnten wir alle voneinander so viel lernen. Oftmals habe ich andere Gründer:innen kennengelernt, die sich mit Erfahrungen oder auch Ratschlägen total bedeckt gehalten haben - aus Angst zu viel Informationen Preis zu geben und dadurch einen Wettbewerbsnachteil zu erfahren. Völliger Quatsch, wie ich finde.

Was ich daraus gelernt habe? Trotzdem an der eigenen work ethic festhalten! Ich teile gerne mein Wissen und freue mich über jeden ehrlichen Austausch oder gar gemeinschaftliche Kooperationen. Mit der Zeit trifft man dann auch mehrere tolle Gründer:innen, die diesen Mindset teilen. So eine Community ist echt Gold wert!


Dabei könnten wir alle voneinander so viel lernen. Oftmals habe ich andere Gründer:innen kennengelernt, die sich mit Erfahrungen oder auch Ratschlägen total bedeckt gehalten haben - aus Angst zu viel Informationen Preis zu geben und dadurch einen Wettbewerbsnachteil zu erfahren. Völliger Quatsch, wie ich finde.
— Jinju Gergs

Welche Tipps hast Du für Frauen* die ebenfalls überlegen zu gründen oder den Schritt in die Selbstständigkeit zu wagen?

Grundsätzlich ein Tipp, den ich immer sehr gerne gebe und selbst auch befolge: Fang klein an und teste dich langsam heran. Ideen gibt es viele. Am Ende scheitert’s nicht an Ideen, sondern an der Umsetzung.

In der digitalen Produktentwicklung sprechen wir von “Build, Measure, Learn”. So können wir in kürzester Zeit Produktideen auf dem Markt validieren und entsprechend anpassen. Nichts ist destruktiver als an seiner eignen Idee starr festzuhalten. So habe ich beispielsweise erst einmal eine kleine Stückzahl an Jutebeutel bestellt und verschiedene Farben getestet. Produkte, die sich gut verkaufen ließen, wurden dann erst in die Produktion gegeben und Produkte, die nicht gut ankamen, habe ich ganz einfach wieder aus dem Sortiment nehmen können ohne große finanzielle Verluste. Wenn ich also ein neues Produkt aufnehmen möchte, erstelle ich immer erst eine Art Prototypen und teste diesen bei meiner Zielgruppe. Ganz wichtig: Deine Zielgruppe ist niemals deine Mama, deine beste Freundin, dein Partner oder deine Geschwister. Egal wie sehr sie von sich behaupten werden objektiv zu sein, sie sind es nicht, denn sie lieben dich und wollen nur das Beste für dich. Der Markt ist aber gnadenlos und so sind deine Käufer:innen.

Ansonsten wünsche ich jeder Frau*, die mit dem Gedanken spielt sich in die Selbstständigkeit zu wagen, ganz viel Mut und vor allem Spaß. Denn am Ende ist es das, was dich durch schwere Zeiten bringen wird. Die Freude an dem, was wir tun und das Gefühl der Selbstverwirklichung.

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Gastbeitrag: Branding Basics - Wie Branding dein Business weiterbringen kann